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Warm bleiben in kalten Nächten

Veröffentlicht von Maurits am
13. Okt. 2026

Das Thermometer fällt. Die Wege werden ruhiger, die Wälder stiller. Mit der richtigen Vorbereitung ist das eigentlich die schönste Zeit des Jahres, um dieses Wildnisgefühl zu erleben. Bei meiner ersten Trekkingtour mit Zelt hatte es nachts 6 Grad unter null. Morgens lag Eis auf meinem Schlafsack. Da lernst du schnell. Seitdem weiß ich, dass Warmbleiben genauso viel mit cleveren Tricks und Selbstkenntnis zu tun hat wie mit deiner Ausrüstung. Vieles, was jetzt kommt, ist eigentlich selbstverständlich. Trotzdem lohnt es sich, es vor jeder kalten Nacht kurz durchzugehen.

VOR DEM AUFBRUCH: AUSRÜSTUNG UND KLEIDUNG

Isomatte und Schlafsack leisten die meiste Arbeit. Der Boden zieht dir die ganze Nacht Wärme aus dem Körper, und je höher der R-Wert deiner Matte, desto besser isoliert sie. Peil im Herbst und Winter mindestens R4 an. Eine einfache Schaumstoffmatte unter deiner aufblasbaren Matte bringt schnell noch R 1,5 dazu. Beim Schlafsack achtest du auf zwei Werte. Bei der Limit-Temperatur kommst du durch die Nacht. Angenehm ist anders. Geh also immer von der Komforttemperatur aus. Und auch die wurde an einem durchschnittlichen Schläfer gemessen. Frierst du leicht, nimm einen Schlafsack, der ein paar Grad wärmer ist.

Dann die Kleidung. Wenn ich eine Sache nennen muss, die den Unterschied macht, dann ist es eine Daunenjacke. Wiegt fast nichts, passt in einen kleinen Beutel und hält dich warm, sobald du stillstehst. Bei Decathlon bekommst du schon eine für rund 60 €. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der es bereut hat. Ein Inlay im Schlafsack hilft ein bisschen, aber als zusätzliche Reserve bringt dir die Daunenjacke mehr.

UNTERWEGS: KOMM NICHT ZU FRÜH AN

Sobald du aufhörst zu laufen, kühlst du aus. Je länger du danach herumhängst, desto kälter startest du in die Nacht. Plane deine Ankunft irgendwann zwischen fünf und sieben Uhr ein, und nicht früher. Lange draußen chillen ist an einem kalten Abend nicht drin. Essen, aufräumen, ab in den Schlafsack. Ich lade mir oft ein paar Filme auf Netflix herunter. Die schaue ich abends gemütlich im Schlafsack. Meistens laufe ich bis etwa sechs Uhr, je nachdem, wann es dunkel wird. Dann habe ich gerade noch Zeit, mein Zelt aufzubauen. Gegen sieben, halb acht esse ich ordentlich.

BEI DER ANKUNFT: SOFORT TROCKENE KLEIDUNG

Nasse Kleidung zieht dir Wärme aus dem Körper. Auch wenn sie nur feucht von deinem eigenen Schweiß ist. Zieh sie sofort aus und gleich die trockenen Sachen an, in denen du schlafen wirst. Noch bevor dein Zelt steht, noch bevor dein Essen kocht. Und bau dein Zelt lieber nicht voll im Wind auf. Das klappt nicht überall, aber achte darauf, wenn es geht.

Ein Tipp, den ich oft höre, aber selbst noch nicht ausprobiert habe: eine Flasche mit warmem Wasser im Schlafsack. Füll vor dem Schlafengehen eine Nalgene oder eine andere gut verschließbare Flasche und steck sie unten in den Schlafsack. Dein Schlafsack ist vorgewärmt und du hast morgens Wasser, das nicht gefroren ist. Prüf aber, ob deine Flasche heißes Wasser verträgt und wirklich dicht ist.

NACHTS: HALT DEINEN MOTOR AM LAUFEN

Warm bleiben ist leichter als wieder warm werden. Starte also nicht mit zu wenigen Schichten in die Nacht, ausziehen kannst du immer noch. Mütze auf, extra Socken an, Daunenjacke in Reichweite. Bei mir kündigt sich die Kälte immer gleich an. Ich wache öfter auf, wälze mich hin und her und rolle mich langsam und unbewusst in Embryonalhaltung zusammen. Meine Lösung ist fast immer Essen. Ein Clif Bar, und mein Motor springt wieder an. Leg dir deshalb immer etwas zu essen neben den Schlafsack. Reicht das nicht, spann ein paar Mal Beine und Bauch an oder mach ein paar Sit-ups im Schlafsack. Der kälteste Moment liegt oft zwischen 3 und 5 Uhr morgens. Rechne damit.

DANACH: FINDE HERAUS, WAS BEI DIR FUNKTIONIERT

Notier dir nach jeder Nacht, was du dabeihattest, was du anhattest und wie kalt es war. Nach ein paar Malen weißt du, welche Kombination bei welcher Temperatur funktioniert. Das ist mehr wert als jeder Ratschlag, diesen Blog eingeschlossen. Häng dir ein kleines Anhänger-Thermometer an den Rucksack. Wiegt so gut wie nichts und zeigt dir die echte Temperatur an deinem Biwakplatz. Die liegt oft niedriger, als die Wetter-App sagt.

So habe ich gemerkt, dass ich mich auf die Komforttemperatur meines Schlafsacks nicht ganz verlassen kann. Deshalb nutze ich ein Thermolite-Inlay, das ein bisschen hilft. Vor allem aber nehme ich extra Kleidung mit, um das auszugleichen, zum Beispiel eine Merino-Leggings.

MEHR VERTRAUEN, ÖFTER UNTERWEGS

Jede kalte Nacht, die gut läuft, gibt dir mehr Vertrauen in deine Ausrüstung und in dich selbst. Und mit diesem Vertrauen ziehst du schneller wieder los. Auch wenn das Thermometer fällt. An ein paar unserer Biwakplätze, etwa im Forêt de Wellin, gibt es sogar eine Feuerstelle. Dort wärmst du dich noch mal auf, bevor du in den Schlafsack kriechst.

CHECKLISTE FÜR DEINE NÄCHSTE KALTE NACHT

  • Isomatte mit mindestens R4, eventuell mit einer Schaumstoffmatte darunter
  • Schlafsack mit einer Komforttemperatur, die zu dir passt
  • Daunenjacke
  • Trockene Schlafkleidung, separat und wasserdicht verpackt
  • Flasche, die heißes Wasser verträgt
  • Snacks neben dem Schlafsack
  • Mütze und extra Socken
  • Thermometer und deine Notizen von den letzten Malen

Ziehst du mit diesen Tipps los?

Wähl einen Trail mit Biwakplatz in den Niederlanden oder Belgien. Oder geh mit der Expedition als Selbstversorger auf Tour, Ausrüstung kannst du dabei auch leihen.

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